Mehr Grün...
im Domagkviertel

19.07.2019

»Spaziergang durch das Domagkviertel«

Der Arbeitskreis "Nachhaltige Quartiersentwicklung" des "Münchner Forums" veranstaltete am 19. Juli 2019 zusammen mit der Initiative "Mehr Grün..." und "Green City" einen Stadtspaziergang durch das Domagkviertel. Die Mitglieder des "Münchner Forums" und die Teilnehmer des Rundgangs untersuchten und diskutierten dabei die Umsetzung der Quartiersplanung. Eine wesentliche Frage war dabei, ob die Umsetzung geglückt sei und den Ansprüchen der Bewohner sowie den Anforderungen an eine moderne Stadtplanung gerecht werde. Der Spaziergang stand unter dem Motto: "Was ist gelungen, was ist missglückt".

An der Diskussion beteiligten sich neben Vertretern der Initiative "Mehr Grün" und des "Münchner Forums": Der Spaziergang führte an markanten Punkten des Viertels vorbei. An diesen Punkten wurden die planerischen Besonderheiten vorgestellt und erörtert, wie die Planung von der Umsetzung abweicht. Bewohner und Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, um den Planern ihren Eindruck und ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Dabei gab es viel Lob. Gelungen ist die Umsetzung einen Teil der Häuser im Viertel auf ein Hochparterre zu setzen. Dadurch konnte der Grundwasserfluß erhalten bleiben. Durch das Hochparterre ist auch die Trennung von privaten und öffentlichen Raum gelungen.

Aber es gab auch den deutlichen Appell an den Bezirksausschuss (BA), die Umsetzung an der Planung, aber auch an den Anforderungen von Bewohnern und Umweltschutz, auszurichten.

Das Viertel wird zum "Hundeklo"

Vertreter der LH München zeigten sich während des Stadtspazierganges, auch aufgrund des zuvor stattgefundenen 1. Runden Tisches, erneut bereit, den rechtsgültigen Bebauungsplan hinsichtlich der zu bepflanzenden Baumstandorte in Teilen weiter umzusetzen. Im Vorfeld war die Stadtverwaltung nicht bereit gewesen, alle geplanten Baumstandorte zu bepflanzen sowie ihre selbst gesetzten Klimaziele bei der Planungsumsetzung zu beherzigen. Wie auch beim 1. Runden Tisch bekräftigt die Stadt zwar erneut, weitere Baumstandorte zu bepflanzen. Jedoch blieben die Vertreter der Stadt in ihren Aussagen zu der Anzahl vage und noch weit hinter der Planung zurück – 9 weitere Bäume sollen gepflanzt werden bzw. so viele möchte die Stadt prüfen lassen.

In der Umsetzung ihrer Klimaziele, aber auch in ihrer eigenen Vorgabe im Domagkviertel den "Flächenverbrauch konsequent zu reduzieren und unbebaute, unversiegelte Flächen zu schützen" [Oberbürgermeister Ude 2013 zur Umnutzung der Funkkaserne]¹ sieht die Stadt München mehr Risiko als Nutzen, teilt der Vorsitzende des BA 12 den versammelten Teilnehmern des Stadtspazierganges mit. Eine dem Stadtklima zuträgliche Entsiegelung der Flächen, beispielsweise auf den überbreiten Gehwegen entlang der angrenzenden Häuser, würde das Viertel lediglich in ein "Hundeklo" [sic] verwandeln.

Obwohl Hundebesitzer bereits seit Jahren vorbildlich die Hinterlassenschaften ihrer Hunde selber aufsammeln, war dies während des Stadtspaziergangs ein gerne wiederholtes Argument. Die durchschnittliche Menge von Hundekot im Domagkviertel dürfte jedoch kaum in ursächlichem Zusammenhang stehen mit der Frage, ob eine Fläche begrünt oder betoniert ist. Sollte dieser Hinweis wider allen Erwartens ein ernstgemeintes Argument sein, so möchte man hoffen, dass die Stadt zunächst versucht, die Ursache (Hundekot) zu beseitigen bevor sie im vermeintlichen Interesse des Hundes für eine weitgehende Versiegelung plädiert.

Die Stadt München fordert mehr Entsiegelung (zumindest in der Theorie), die Anwohner als Leidtragende eines sehr aufgeheizten Mikroklimas fordern das sowieso und die Wissenschaft sieht zur Entsiegelung keine Alternative. Das von allen angestrebte Ziel wäre durch folgende, beispielhaft genannte Maßnahmen zu erreichen:

Fazit

Die Begehung des Viertels mit Fachleuten aus Wissenschaft, Architektur und Politik hat gezeigt, dass der Bebauungsplan und die Klimaziele der Stadt München im Domagkviertel noch nicht vollständig umgesetzt wurden. Die Stadt München prüft nun weitere Baumstandorte, 9 an der Zahl. Nach diesem Stadtspaziergang ist also klar, dass die Initiative "Mehr Grün" einen kleinen Schritt weitergekommen ist. Bis wir unser Ziel einer stärkeren Begrünung des Domagkviertels erreichen ist es noch ein weiter Weg.

Quellen:
¹ Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung; "Von der Kaserne zum Stadtquartier" (Januar 2013); URL: "https://www.muenchen.de/rathaus/dam/jcr:56de541c-54ba-4574-8c0a-799d6c3ebbc4/Kasernen_in_Muenchen_Doppel_weboptimiert_72dpi.pdf" (Stand: 27.12.2018)